Osteoporose
Medikamentöse Vorbeugung und Behandlung
Hormonersatzbehandlung
Das weibliche Hormon Östrogen ist bei Frauen für einen normalen Knochenstoffwechsel sehr wichtig. Östrogen-Mangel-Zustände (siehe
Risikofaktoren) erhöhen das Risiko, an einer Osteoporose zu erkranken.
Frauen nach den Wechseljahren sind daher besonders gefährdet. Eine Hormonersatzbehandlung (Östrogen- oder Östrogen-Gestagen-Präparate) kann die Knochendichte erhalten oder auch wieder erhöhen. Nach Beendigung der Behandlung steigt der Knochenabbau jedoch wieder an, so daß 5 bis 10 Jahre nach einer Hormonersatzbehandlung keine Vorteile mehr gegenüber unbehandelten Frauen festzustellen sind.
Eine Hormonersatzbehandlung hat auch Nebenwirkungen, die dem zu erreichenden Nutzen gegenübergestellt werden müssen. So besteht die Gefahr von Thrombosen des tiefen Venensystems und einer Lungenembolie. Auch das Risiko für Brustkrebs steigt geringfügig an.
Eine umfangreiche Studie ergab, dass die mit der Hormonersatztherapie verbundenen Risiken die erhofften positiven Wirkungen zum Beispiel auf die Herz-Kreislaufsituation oder zur Verminderung des Risikos von Demenz überwiegen.
Daraus ist zu schließen, dass eine Hormontherapie zur Primärprophylaxe osteoporotischer Frakturen Frauen nach der Menopause nicht generell empfohlen werden kann. Die Entscheidung über den Beginn einer Östrogentherapie (bei erhaltenem Uterus in Kombination mit einem Gestagen) bei Frauen mit erhöhtem Osteoporoserisiko sollte unter Abwägung aller möglichen Risiken (erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse, Schlaganfall, Herzinfarkt, Brustkrebs) und Nutzen (Reduktion des Risikos für Frakturen und kolorektale Karzinome) getroffen werden.
(Quelle: AWMF-Leitlinie Hormontherapie im Klimakterium, Arznemittelkommission der deutschen Ärzteschaft, 1. Auflage 2003)
Auch zur Langzeitbehandlung einer manifesten Osteoporose müssen die individuellen Risken für die Nebenwirkungen den Vorteilen gegenüber gestellt werden, insbesondere da in Form der Bisphosphonate Behandlungsalternativen bestehen.
Bisphosphonate
Eine neue Gruppe von sehr wirksamen Medikamenten, die sogenannten Bisphosphonate, wirken dem Knochenabbau entgegen und erhöhen die Knochendichte.
Die Bisphosphonate Alendronat und Etidronat sind in Deutschland für die Behandlung einer Osteoporose zugelassen. In wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie auch für eine Osteoporosevorbeugung ähnlich wirksam wie die Hormonersatzbehandlung sind. Allerdings sind sie für die Vorbeugung in Deutschland noch nicht zugelassen, weil mögliche Nebenwirkungen einer Langzeitbehandlung noch nicht ausreichend beurteilt werden können.
Kalzitonin
Kalzitonin ist ein wichtiges, beim Menschen vorkommendes Hormon der Nebenschilddrüse, das den Knochenabbau hemmt.
Als Medikament ist das Kalzitonin vom Lachs in Deutschland sowohl für die Behandlung einer bestehenden Osteoporose als auch als Vorbeugemedikament zugelassen. Es wird als Nasenspray oder Spritze verabreicht.
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Kalzitonin bei einer Osteoporose eine Steigerung der Knochendichte bewirkt, solange es eingenommen wird. Darüber hinaus wirkt Kalzitonin gegen die oftmals starken Knochenschmerzen, die eine Osteoporose begleiten können. Die Wirksamkeit des Kalzitonins für die Osteoporosevorbeugung konnte jedoch wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen werden.
Zuletzt geändert am: 13.10.2004