Chinesische Pflanzeheilkunde
Risiken
Risiken durch die Präparate
Das Prinzip der chinesischen Rezeptur berücksichtigt, dass die Arzneimittel unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Die in das Rezept integrierten Nebenarzneien, wie Ergänzungs- und Hilfsarzneien, sollen unerwünschte Wirkungen vermindern.
Ein anderer Risikoaspekt besteht in der unsicheren Qualität der Präparate. Derzeit werden oft chinesische Arzneidrogen nach Deutschland importiert, die nicht die hier bestehenden Ansprüche an die Deklaration erfüllen. So sind Einzelpflanzen oder die Bestandteile einer Mischung häufig nicht korrekt ausgewiesen. Auch der Herkunftsort, die Präparation, Lagerungsdauer und Wachstumsbedingungen der Pflanzen sind meist unbekannt. Damit sind die Wirkung und Wirkstärke dieser Gemische aus pharmakologischer Sicht zum Teil nicht ausreichend ersichtlich.
Verschnitt, Schwermetallbelastung oder Umweltgifte sind ein weiteres Problem bei importierten Arzneimitteln. So können die Pflanzen und Pflanzenmischungen in erheblichem Maß mit Pestiziden, Insektiziden oder Schimmel verunreinigt sein. Auch können mineralische und tierische Produkte unbekannter Herkunft untergemischt sein, ohne dass dies erkennbar oder deklariert ist. Synthetische Arzneimittel, wie zum Beispiel Cortison, können beigemischt sein, um möglicherweise wirkungslosen Produkten eine vermeintliche Wirkung zu verschaffen.
In chinesischen Arzneimitteln sind teilweise auch giftige Pflanzen enthalten, wie etwa der blaue Eisenhut oder Osterluzeigewächse (Aristolochia). Diese Beimengungen können als Verunreinigung darin sein, jedoch auch, weil sie aus chinesischer Sicht hineingehören. In Europa sind sie aber nicht zugelassen. Da Verbraucher nicht wissen, dass sich diese Pflanzen in der Mischung befinden könnten, besteht zumindest bei falscher Dosierung die Gefahr von Vergiftungen. Zum Schutz der Verbraucher hat die europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln (EMEA) im Internet eine offizielle Warnliste veröffentlicht, in denen Fertigpräparate, die Aristolochia enthalten, namentlich aufgeführt sind. Sie ist unter http://www.emea.eu.int/pdfs/human/hmpc/002300en.pdf zu finden.
Zu unerwünschten Nebenwirkungen können demnach Vergiftungen, Unverträglichkeitsreaktionen mit der Folge von Organschädigungen und Allergien zählen. Aber auch wenn die Arzneimischungen rein und unbelastet sind, muss bei chinesischen Arzneimitteln mit Nebenwirkungen gerechnet werden, da es sich teilweise um pharmakologisch hochwirksame Substanzen handelt, bei denen Indikation und Nebenwirkungen gegeneinander abgewogen werden müssen. Die Dosierungsangaben müssen beachtet werden. Darin unterscheiden sich Präparate aus der chinesischen Medizin nicht von anderen Medikamenten.
Wechselwirkungen chinesischer Präparate mit chemisch hergestellten westlichen Medikamenten sind weitgehend unerforscht.
Aus allen diesen Gründen stellt es ein Risiko dar, sich beispielsweise mit Fertigmischungen, die aus unbekannten Quellen über das Internet bezogen werden, können selbst zu behandeln. Es ist empfehlenswert, chinesische Arzneimittel, die nach einer fachgerechten Diagnostik verordnet wurden, in dafür spezialisierten Apotheken zu bestellen.
Zuletzt geändert am: 29.03.2007