Grundlagen der chinesischen Medizin
Das physiologische Verständnis
Die chinesische Medizin hat eine ganz eigene Form einer Physiologie (Lehre der Funktionen) entwickelt. Alle energetischen Phänomene und biologischen Funktionen werden durch die Organ- oder Funktionskreise beschrieben. Anatomische Strukturen sind dabei von untergeordneter Bedeutung.
Es wird mehr Wert gelegt auf die Betrachtung und Wahrnehmung von Disharmonien. Dies führt zum besseren Verständnis der Harmonie. Daher werden eher die Funktion und die funktionelle Aktivität studiert, in denen sich die Disharmonie ausdrücken kann, als die Anatomie.
Es werden also nicht einzelne Organe isoliert betrachtet und erforscht, sondern das Zusammenspiel ganzer Systeme. Diese Systeme sind in so genannten Organkreisen geordnet. Diese Organkreise oder auch Funktionskreise in der chinesischen Medizin sind nicht gleichbedeutend mit den anatomischen Organen der westlichen Medizin. Die Organkreise sind nach ihren emotionalen, mentalen und körperlichen Funktionen eingeordnet und definiert, nicht nach ihren Strukturen. So gehört zum Beispiel die "sprechende", feinmotorisch aktive Zunge zum Organkreis des Herzens während die "schmeckende" Zunge zum Organkreis Magen gerechnet wird. Die Lehre von den Funktionskreisen beschreibt eine Landschaft von funktionellen Zusammenhängen, die es ermöglicht Körperfunktionen, Gewebe, Sinnesorgane, Umwelteinflüsse, Emotionen und physische Aktivitäten zu integrieren.
Einige physisch vorhandenen Organe. wie zum Beispiel die Nebennieren, werden von der chinesischen Medizin nicht beachtet. Andere Funktionen, wie zum Beispiel die komplexe Funktion des Dreifachen Erwärmers (eine Leitbahn), werden auch als "Organ" betrachtet, obwohl er eher eine Koordinationsfunktion im Körper ist und in der westlichen Medizin als Organ nicht bekannt ist.
Deshalb können Klassifizierungen des Westens nicht auf die chinesische Medizin übertragen werden. Auch lassen sich viele chinesische Begriffe und Konzepte nicht einfach in unsere Sprache und unser Denken übersetzen. Jedes System muss innerhalb seiner eigenen Begrifflichkeit betrachtet werden.
Zuletzt geändert am: 06.06.2006
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